Sächsisch-Thüringische (Vor-)Geschichte
Bedeutende Quellensammlung liefert neue Erkenntnisse zur Geschichte des mitteldeutschen Raums.
(Foto: Rainer Salzmann / Bild: SAW)
Das Adelsgeschlecht der Wettiner prägte über Jahrhunderte die Geschichte der mitteldeutschen Region. Ihre Urkunden und Dokumente werden seit Langem im Rahmen des traditionsreichen Quellenwerks „Codex diplomaticus Saxoniae“ erschlossen und veröffentlicht. Nun präsentierte die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig mit einem Festakt auf der Wartburg den neuesten Band dieser Fürstenurkunden. Darin eröffnen sich den Forschenden zufolge wichtige neue Perspektiven auf die Geschichte der Wettiner im 13. Jahrhundert.
So wollten die Wettiner damals offenbar höher hinaus als bisher angenommen: Die nun edierten Quellen zeigen, dass die Dynastie ihre Ansprüche auf das staufische Erbe in Italien, auf das Königreich Jerusalem und sogar auf die römisch-deutsche Königswürde mit großem politischen Ernst verfolgte.
Band erschließt mehr als 250 mittelalterliche Dokumente
„Der von sächsischen und thüringischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erarbeitete und jetzt präsentierte Band hat zentrale Ereignisse gemeinsamer Geschichte zum Inhalt und bezeugt ein enges Zusammenwirken der beiden Freistaaten Sachsen und Thüringen“, so Sebastian Gemkow, Staatsminister für Wissenschaft des Freistaats Sachsen.
Der von den Historikern Dr. Tom Graber und Dr. Mathias Kälble bearbeitete Band 6 des „Codex diplomaticus Saxoniae“ erschließt dabei die Jahre 1265 bis 1272 und enthält mehr als 250 wissenschaftlich edierte und kommentierte Urkunden.
Auch über die große Politik hinaus liefert der Band zahlreiche neue Erkenntnisse zur Landes-, Stadt- und Alltagsgeschichte sowie zur Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte Mitteldeutschlands: Die Urkunden dokumentieren unter anderem frühe städtische Ordnungen, wirtschaftliche Privilegien und regionale Herrschaftsstrukturen. Eine wichtige Grundlage also für die weitere Erforschung der verflochtenen Geschichte(n) Thüringens und Sachsens.
Die Edition wurde von der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig in Kooperation mit dem Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV) in Dresden erarbeitet. Unterstützt wird das Vorhaben durch die Freistaaten Thüringen und Sachsen und sowie durch die Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung.