Eindrücke von der Leipziger Buchmesse 2024

Leipziger Buchmesse 2024: Mehr als nur Literatur

Ein Rückblick auf Trends und Themen des Leipziger Bücherfrühlings.


von Frank Kaltofen

Trotz des zeitweiligen Streiks im Nahverkehr verzeichnete die Leipziger Buchmesse in diesem Jahr mit 283.000 Besucherinnen und Besuchern ein deutliches Plus im Vergleich zum Zulauf des Vorjahres (2023: 274.000), was man den stellenweise überlaufenen Messehallen auch anmerken konnte. 

Ein Großteil dieses Zuwachses dürfte dabei auf die Manga-Comic-Con zurückzuführen sein, die nunmehr zum 10. Mal im Verbund mit der Buchmesse stattfand und sich inzwischen bereits auf anderthalb Messehallen erstreckte. Die Zahl der Aussteller (2.085) stagnierte hingegen auf dem vergleichsweise niedrigen Niveau aus 2023 – ein deutliches Minus im Vergleich zur letzten Vor-Pandemie-Buchmesse (2019), als noch mehr als 2.500 Aussteller die Leipziger Messehallen bespielten.

Preis der Leipziger Buchmesse: Erstmals war ein Comic nominiert

Für einen Achtungserfolg hatte im Vorfeld Anke Feuchtenbergers Buch Genossin Kuckuck (Reprodukt Verlag) gesorgt – als erster Comic, der in der Belletristik-Kategorie für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert wurde. Die 61-jährige Zeichnerin ging indes bei der Preisvergabe in der Glashalle leer aus: In der Kategorie Belletristik entschied sich die siebenköpfige Jury für Barbi Markovićs Roman Minihorror; den Preis in der Kategorie Übersetzung erhielt Ki-Hyang Lee für ihre Übersetzung von Bora Chungs Erzählband Der Fluch des Hasen aus dem Koreanischen. In der Kategorie Sachbuch/Essayistik wurde Tom Holert und sein Werk ca. 1972 ausgezeichnet – ein Preis in gewisser Weise auch für den Verlagsstandort Leipzig, erschien Holerts Buch doch im hiesigen Verlag Spector Books mit Sitz im Leipziger Musikviertel, der vor allem Bücher zu Kunst, Fotografie und Design veröffentlicht. 

Buchcover der Preisträger-Titel der Leipziger Buchmesse 2024

Preis der Leipziger Buchmesse 2024

BELLETRISTIK
Barbi Marković: Minihorror (Residenz Verlag)

ÜBERSETZUNG
Aus dem Koreanischen von Ki-Hyang Lee
Bora Chung: Der Fluch des Hasen (CulturBooks)

SACHBUCH/ESSAYISTIK
Tom Holert: „ca. 1972“ Gewalt – Umwelt – Identität – Methode (Spector Books)

Buchmesse 2024: Das Digitale als Muss, die Demokratie als Sorgenkind

In einer Art Déjà-vu erinnerten die Großthemen dieses Bücherfrühlings stark an die Buchmesse des vergangenen Jahres: Digitales und künstliche Intelligenz (KI) allerorten, Solidarität mit der Ukraine (wenn auch weniger präsent als vor einem Jahr) und die Sorge um die Demokratie. Das schlug sich unter anderem in der Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Eröffnungsdonnerstag der Buchmesse nieder: „Vieles in unserer Demokratie ist geglückt“, sagte das Staatsoberhaupt in der Alten Börse mit Blick auf 75 Jahre Grundgesetz und auf 35 Jahre Mauerfall. „Uns einfach gelassen zurücklehnen, das können wir trotzdem nicht in diesem doppelten Jubiläumsjahr“, so Steinmeier weiter, denn die Demokratie werde von außen und im Inneren bedroht. 

Aktuelle Fragen zu Demokratie, Meinungsfreiheit und Menschenrechten wurden an den Messetagen denn auch in zahlreichen Diskussionsrunden aufgeworfen. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Leipziger Buchmesse hatten vorab die Initiative #DemokratieWählenJetzt ins Leben gerufen – nicht zuletzt im Hinblick auf die Europawahl sowie drei Landtagswahlen in diesem Jahr.

Blick auf das Gelände der Neuen Saalecker Werkstätten (Foto: design akademie saaleck)

von links nach rechts:

Zeichnerin Dorthe Landschulz, Herausgeber Christian Langer und Zeichnerin Katharina Greve bei der Präsentation des Cartoon-Bandes Wir haben die Wahl

Passend zum Demokratie-Appell stellten die Zeichnerinnen Dorthe Landschulz und Katharina Greve den internationalen Cartoon-Band Wir haben die Wahl (Lappan Verlag) mit dem Herausgeber Christian Langer vor. Enormen Andrang gab es andernorts am Messestand des Recherchenetzwerks „Correctiv“ und bei den Präsentationen des zugehörigen Buchs Der AfD-Komplex.

Ausblick: Leipziger Buchmesse 2025

Auf der Buchmesse im nächsten Jahr wird vom 27. bis 30. März mit Norwegen erstmals Gastland aus dem skandinavischen Raum auf der Leipziger Buchmesse begrüßt. Deutschland ist bereits heute einer der wichtigsten Märkte für norwegische Bücher.

 

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