Skat aus Weimar?
Skatkarten mit dem Neuen Weimarer Bild liegen aufgefächert auf einem Holztisch.

Völkerverständigung im „Handumdrehen“

Altenburg ist überregional als Skat-Hauptstadt Deutschlands bekannt. Doch Weimar schickt sich seit Kurzem an, da ein Wörtchen mitzureden – zumindest in Form einer eigenen Blattgestaltung: dem „Neuen Weimarer Bild“.

 

von Frank Kaltofen

Französisch? Deutsch? Weimarisch! Eine neue Antwort auf eine altbekannte Frage. Denn wo Skatspielende aus verschiedenen Regionen aufeinandertreffen, galt es bislang zu entscheiden, ob das französische oder deutsche Bild zum Einsatz kommt. Zieren die Karten also Kreuz oder Eicheln, Pik oder Schellen, gibt es Buben oder Unter, Damen oder Ober? 

Abhilfe schafft das „Neue Weimarer Bild“, ersonnen vom begeisterten Hobby-Skatspieler Matthias Opatz aus der Klassiker-Stadt an der Ilm, und veröffentlicht im ebenfalls in Weimar ansässigen Tourist-Verlag.

Die regionale Verteilung der Skatbilder ist historisch gewachsen, aus früheren Einfluss- und Herrschaftsgrenzen. Das heutige Sachsen-Anhalt beispielsweise liegt genau an der Bruchlinie dieser Skattraditionen, zwischen dem historisch durch Altenburg geprägten Areal der SpielkartenIndustrie und den eher preußischnorddeutschen Regionen mit französischem Blatt. Die optische Skat-Gestaltung ist also keineswegs eine „Ost-West-Frage“. 

Matthias Opatz traf darum auch schon zu DDR-Zeiten immer wieder auf Mitspielende, die das französische Bild bevorzugten. Als der gebürtige Sachse vor einigen Jahren in das generationsübergreifende, genossenschaftliche „Wohnprojekt Ro70 eG“ in Weimar einzog, kamen dort auch Skatbegeisterte aus Regionen mit unterschiedlichen Blatt-Traditionen zusammen – und Opatz auf eine Idee.

Am Tisch mit dem Erfinder

Hält man die Karten selbst in der Hand, erkennt man sofort das Prinzip: Französisches und deutsches Bild, vereint auf derselben Karte, sind diagonal zueinander platziert. Anders als bei der bereits existierenden „Kongresskarte“, die horizontal in eine deutsche und eine französische Bildhälfte geteilt ist, müsse man nicht jede Karte beim Aufnehmen einzeln zurechtdrehen, erklärt Opatz beim Austeilen: „Durch die diagonale Aufteilung fächert jeder sein Blatt einfach nach links oder nach rechts auf – je nachdem, welches Bild man eben bevorzugt“, erklärt der gegenübersitzende Ideengeber stolz. 

Verbreitung des französischen und deutschen Kartenbilds innerhalb Deutschlands

Keine Ost-West-Frage, kein Halt an Bundesländer-Grenzen: die Verbreitung des französischen (hellgrün) und deutschen Kartenbilds (dunkelgrün) innerhalb Deutschlands.

 

 

 

(Eigene Darstellung nach WikiCommons | CC BY 3.0, User Lupi82)

„Ich hatte die Idee ein Crowdfunding zu machen“, so Opatz weiter. Aber dafür brauchte es zumindest schon grafische Entwürfe. Im Umfeld des Weimarer Wohnprojekts wurde Opatz fündig: Matthias Seifert, Zeichner und Illustrator aus Weimar, war zwar selbst kein Skatspieler, aber angetan von der Idee. So gestaltete er erste Vorlagen für die Skatkarten – mit einem Comic-haften Charme und einem Augenzwinkern, aber deutlich orientiert an den klassischen bekannten Kartenmotiven.

Der erste wichtige Schritt zur Umsetzung war also gemacht. „Aber der potenzielle unternehmerische Aufwand, das im Eigenverlag umzusetzen, schreckte mich ab“, erklärt Opatz, während er die Karten sorgfältig für das nächste Spiel mischt. Also verabschiedete er sich von der Crowdfunding-Idee und schrieb stattdessen eine E-Mail an den Weimarer Verleger Steffen Knabe. „Er hatte den Mut, die Idee umzusetzen und das neue Kartenspiel auf den Markt zu bringen“, erinnert sich Opatz und teilt eine neue Runde Karten aus.

Weimarer Bild trifft auf Skatstadt Altenburg

Das „Neue Weimarer Bild“ fand so ein Zuhause im Tourist-Verlag, der zur Knabe-Verlagsgruppe gehört und in dem sonst vor allem Reiseführer und Postkarten zum Weimarer Bauhaus erscheinen. Passend dazu gestaltete Illustrator Matthias Seifert die Rückseite der Spielkarten als eine Art Wimmelbild mit skizzierten Wahrzeichen der Klassikerstadt, wie der Herderkirche, dem Deutschen Nationaltheater und Goethes Gartenhaus.

Auch die traditionelle Skatmetropole Altenburg erreichte das neue Kartenspiel quasi sofort, denn gedruckt wird das „Neue Weimarer Bild“ von der Spielkartenfabrik Altenburg GmbH. Als reines Auftragswerk allerdings, nicht als offizielles Produkt im Portfolio der Marke ASS Altenburger. Für die Knabe-Verlagsgruppe sei die Vergabe an die Altenburger keine schwierige Entscheidung gewesen, heißt es, schon allein durch den traditionellen und regionalen Bezug. 

In Altenburg sicherte man sich als Verkaufsort einen der renommiertesten Spielkartenläden Deutschlands, direkt am Marktplatz in den Räumen der Altenburger Tourismus GmbH, die beim Stadtmarketing ohnehin sehr auf die Skattradition setzt. Der Laden zählt laut Verlag zu den besten Abnehmern des „Neuen Weimarer Bilds“. Aber auch im Altenburger Schlossmuseum, das eine Dauerausstellung zu Spielkarten und Skathistorie beheimatet, hat das neue Spiel ein Zuhause im Museumsshop gefunden. Insgesamt habe sich der Absatz des Kartenspiels seit der Veröffentlichung besser als erwartet entwickelt, verrät der Verlag. Auch über ein entsprechendes Doppelkopf-Kartenspiel denkt man in Weimar bereits nach.

Und Matthias Opatz? Er sei weiterhin ein „sehr umtriebiger Input-Geber“, was Vertriebs- und Kooperationsmöglichkeiten angeht, heißt es aus dem Verlag weiter. So konnte er beispielsweise die offizielle Zeitschrift des Deutschen Skatverbandes Der Skatfreund für eine Werbepartnerschaft gewinnen. Ein sicherlich zielgruppengerechter Vermarktungskanal, auch wenn Skat-„Traditionalisten“ möglicherweise die moderne Gestaltung etwas skeptisch beäugen.

Für offizielle Meisterschaften und Punktspiele des Deutschen Skatverbands ist ohnehin das so genannte „Turnierbild“ vorgeschrieben. Für alle anderen Turniere gilt das, was der Veranstalter vorgibt – vielleicht ja bald auch hin und wieder das „Neue Weimarer Bild“?

 

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